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Gemeinsam gegen starke Schmerzen: Schmerztherapie ist Teamarbeit


Wenn starke Schmerzen über Monate zum Dauerzustand werden, spricht man von chronischen Schmerzen. Sie können ihre Funktion als Warnsignal längst verloren haben, wie dies zum Beispiel bei starken chronischen Rückenschmerzen oft der Fall ist. Damit es nicht so weit kommt, kann eine effektive Schmerztherapie, bei der auch starke Schmerzmittel zum Einsatz kommen können, erforderlich sein. Ein erfolgreiches Schmerzmanagement funktioniert dann am besten im Team – wenn Patient, Familie, Freunde, Ärzte und Therapeuten an einem Strang ziehen.

Für eine erfolgversprechende Schmerzbehandlung ist es unerlässlich, der Ursache für den Schmerz auf den Grund zu gehen. Auch wenn sich der Schmerzauslöser nicht immer ausmachen oder beseitigen lässt, ist es hilfreich, die Schmerzart zu bestimmen: Rezeptorschmerzen – im Fachjargon nozizeptive Schmerzen – entstehen durch die Reizung von Schmerzrezeptoren, die überall im Körper verteilt sind. Sie senden ihr Warnsignal als Reaktion auf Verletzungen wie Schnitte oder Knochenbrüche oder sie melden eine Gelenkentzündung. Demgegenüber stehen die Nervenschmerzen – sogenannte neuropathische Schmerzen. Sie beruhen auf einer Fehlfunktion der schmerzleitenden Nervenbahnen. Dann ist das Nervengewebe selbst in Mitleidenschaft gezogen. Wenn zum Beispiel eine Bandscheibe auf die Nervenwurzeln im Rückenmark drückt, kann der Schmerz bis in den Fuß ausstrahlen. Neuropathische Schmerzen sind oftmals schwieriger zu behandeln als nozizeptive Schmerzen und können den Einsatz spezieller Schmerzmittel erfordern. Chronischen Schmerzen können beide Schmerzformen zugrunde liegen. Solche gemischte Schmerzformen kommen beispielsweise bei Rückenschmerzen oder Tumorschmerzen vor.

 

AKTIV SEIN HILFT, SCHMERZEN ZU REDUZIEREN

Schmerz kann den Alltag stark einschränken. Aus Angst vor Schmerzattacken ziehen sich viele Betroffene zurück und schränken ihre Aktivitäten ein. Die Lebensqualität bleibt auf der Strecke. Im schlimmsten Fall beginnt ein Teufelskreis: Die dauerhaften Schmerzen führen zu Einschränkungen im Alltag, liebgewonnene Aktivitäten fallen aus. Hinzukommt die Furcht vor dem Verlust von Beruf oder Freunden. Das alles kann zu negativen Gefühlen führen wie Angst, Stress und Frust. Dies sind wiederum Faktoren, die das Schmerzempfinden beeinflussen können. Um aus der Negativspirale herauszukommen, können Schmerzpatienten selbst etwas gegen ihre chronischen Schmerzen tun.

Für eine erfolgreiche Schmerztherapie bedarf es nicht nur medizinischer Expertise, sondern auch der aktiven Mitarbeit des Patienten: Hier besteht der erste Schritt zu einem erfolgreichen Schmerzmanagement, die Schmerzen als chronische Krankheit zu akzeptieren und negative Gefühle wie Angst, Stress und Frust zu reduzieren. Als bester Weg die Schmerzen in den Griff zu bekommen, wird heute die multimodale Schmerztherapie angesehen, die sich aus vielen Bausteinen zusammensetzt:

  • Medikamentöse Maßnahmen
  • Physiotherapeutische Maßnahmen
  • Psychologische Maßnahmen

Das macht die Schmerztherapie zur Teamarbeit, bei der Ärzte unterschiedlicher Fachdisziplinen und verschiedene Therapeuten sich gegenseitig den Ball zuspielen müssen. Im Zentrum steht immer der Schmerzpatient, der weitere Unterstützung auch bei Angehörigen, Freunden sowie anderen Betroffenen finden kann.

 

GEGEN STARKE SCHMERZEN – GEMEINSAM MIT DEM ARZT

Ein wichtiger Mitspieler im Antischmerz-Team und Gesprächspartner für Fragen aller Art zur Schmerztherapie ist der Arzt. Mit ihm gemeinsam plant der Patient die multimodale Schmerztherapie und legt realistische Therapieziel fest. Der Arzt verordnet die geeigneten Schmerzmittel. Dabei ist die gewissenhafte Einnahme und Anwendung nach Anweisung des Arztes Voraussetzung für den Therapieerfolg. Denn Vorsicht ist geboten bei der Kombination mit anderen Arzneimitteln oder bei der Einnahme von freiverkäuflichen Schmerzmitteln. Ein Schmerztagebuch, in dem der Patient alles rund um die Therapie und das Schmerzempfinden dokumentiert, kann eine hilfreiche Basis für die regelmäßigen Arztgespräche sein.

 

GEGEN STARKE SCHMERZEN – GEMEINSAM MIT ANGEHÖRIGEN UND FREUNDEN

Das seelische Wohlbefinden hat einen großen Einfluss darauf, wie Schmerzen wahrgenommen werden. Gute Laune und Ablenkung können Schmerzen lindern. Anstrengung, Stress, Ängste, Niedergeschlagenheit oder Wut erhöhen die Schmerzsensibilität. Vieles, was den Alltag mit Schmerzen erschwert, lässt sich besser mit der Hilfe anderer Menschen bewältigen. Familienmitglieder und Freunde können im Haushalt entlasten und bei der Medikamenteneinnahme helfen, insbesondere wenn der Patient pflegebedürftig und dazu nicht mehr allein in der Lage ist. Entspannung und Ablenkung beim gemeinsamen Kaffeeklatsch, Kino- oder Restaurantbesuch tragen dazu bei, dass sich die Schmerzen gemeinsam besser schultern lassen. Bei allem ist Augenmaß gefragt: Mehr Aktivität darf nicht zur Überlastung führen.

 

GEGEN STARKE SCHMERZEN – GEMEINSAM MIT ANDEREN BETROFFENEN

Eine besondere Bedeutung bei der Schmerzbehandlung kommt der Unterstützung durch Angehörige zu, wenn der Patient pflegebedürftig und selbst nicht mehr in der Lage ist, zum Beispiel starke Schmerzmittel, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, selbst anzuwenden. Wer nach Strategien sucht, die das Leben mit Schmerzen erleichtern, kann dabei gut von anderen Betroffenen lernen: In Selbsthilfegruppen besteht die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch. Physiotherapeuten und Fitnesstrainer können Schmerzpatienten dabei unterstützen, aktiv und mobil zu werden.

 

M-N/A-DE-10-20-0002

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